Aromaöl, kein Lebensmittel: warum auf meinem CBD-Öl "nicht zum Verzehr geeignet" steht

Wenn du eine CBD-Flasche bei mir bestellst und das Etikett anschaust, findest du dort einen Hinweis, der viele Menschen erst einmal stutzen lässt: "Aromaöl, nicht zum Verzehr geeignet". Diese Frage kommt bei mir mit Abstand am häufigsten an: warum steht das da, ist das gefährlich, kann ich das überhaupt benutzen, was ist da los?

Ich erkläre das in diesem Artikel so, wie ich es auch am Telefon oder per Mail erkläre. Ohne Marketing-Spin, aber auch ohne juristische Tiefe. Die juristische Tiefe findest du in meinem Artikel zur CBD-Rechtslage in Österreich.

Hier geht es um die einfache Frage: was bedeutet dieser Hinweis für dich als Kunde, und wieso ist er da.

Das Wichtigste in Kürze

  • CBD-Öl wird in Österreich rechtlich nicht als Lebensmittel verkauft, sondern fast immer als Aromaöl deklariert. Das ist Branchen-Standard, kein PuraMed-Spezifikum.
  • Der Grund liegt im EU-Recht: CBD braucht eine Novel-Food-Zulassung, die noch nicht erteilt ist. Solange diese fehlt, geht der Weg über die Aromaöl-Deklaration.
  • "Nicht zum Verzehr geeignet" ist ein rechtlicher Hinweis, kein Hinweis auf schlechte Qualität oder eine Gefahr. Das Produkt ist dasselbe Öl, das auch in anderen Märkten verkauft wird.
  • Zwischen rechtlicher Deklaration und gelebter Praxis liegt eine bekannte Lücke. Wir kommunizieren das offen, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht.
  • Wichtig: bei Medikamenten (Blutverdünner, Antidepressiva, Schilddrüse, Schmerzmittel) und bei Schwangerschaft, Stillzeit oder Kindern unter 18 vorher mit Arzt oder Apotheker sprechen.

Was ein Aromaöl eigentlich ist

Ein Aromaöl ist in der klassischen Definition ein Öl, das wegen seines Duftes verwendet wird, nicht zur Einnahme. Lavendel-Öl, Eukalyptus-Öl, Pfefferminz-Öl. Du gibst ein paar Tropfen in eine Duftlampe oder in dein Badewasser, du riechst daran, du diffundierst es in den Raum. Verzehr ist bei den meisten dieser Öle weder vorgesehen noch ratsam.

Rechtlich gesehen sind Aromaöle eine andere Kategorie als Lebensmittel. Lebensmittel haben eigene Zulassungs- und Sicherheitsanforderungen. Aromaöle laufen unter einem anderen Regime, mit anderen Etikettierungsvorschriften und einem anderen rechtlichen Status.

Warum CBD-Öl in Österreich als Aromaöl deklariert wird

Jetzt zur eigentlichen Frage. CBD ist in der EU als sogenanntes Novel Food eingestuft. Das bedeutet: CBD ist eine Substanz, die in dieser Form vor 1997 nicht nennenswert für den menschlichen Verzehr verwendet wurde, und braucht deswegen eine eigene Zulassung, bevor sie als Lebensmittel verkauft werden darf.

Diese Zulassung ist noch nicht erteilt. Es gibt seit Jahren laufende Verfahren bei der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die Bewertung dauert, weil viele wissenschaftliche und sicherheitsrechtliche Fragen abgearbeitet werden müssen.

Solange diese Novel-Food-Zulassung fehlt, dürfen Hersteller wie wir CBD-Öl rechtlich nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel inverkehrbringen. Die gangbare Lösung in der Branche ist die Aromaöl-Deklaration. Das ist nicht etwas, was PuraMed sich ausgedacht hat, sondern der Weg, den faktisch alle seriösen Hersteller in Österreich gehen.

Wenn du in einem Geschäft oder online einen CBD-Anbieter findest, der sein Öl als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft, ist das ein Warnsignal. Entweder ignoriert er die Rechtslage, oder er kennt sie nicht. Beides ist kein gutes Zeichen.

Was "nicht zum Verzehr geeignet" rechtlich heißt, und was Menschen tatsächlich tun

Der Hinweis "nicht zum Verzehr geeignet" ist die direkte Konsequenz aus der Aromaöl-Deklaration. Ein Aromaöl ist rechtlich nicht zum Verzehr ausgewiesen, also muss das auf dem Etikett stehen. Daran führt kein Weg vorbei.

Gleichzeitig ist die gelebte Praxis eine andere. Die meisten Menschen, die CBD-Öl kaufen, nehmen es oral ein. Sie tropfen es unter die Zunge, sie schlucken es, sie mischen es in Tee oder geben es auf ein Stück Brot. Diese Anwendung ist seit Jahren etabliert, und das ist auch das, worüber die meisten Studien zur CBD-Wirkung sprechen.

Diese Lücke zwischen rechtlicher Deklaration und tatsächlicher Anwendung ist real. Sie ist auch der zuständigen Verwaltung bekannt. Wir als Hersteller dürfen nur kein Werbeversprechen daraus machen. Wir dürfen also nicht schreiben "nimm drei Tropfen morgens und drei Tropfen abends ein", weil wir damit die Aromaöl-Deklaration aufweichen würden.

Wie wir mit dieser Situation umgehen

Mein Tipp, wenn du einen Anbieter beurteilen willst: schau dir an, wie er mit der Aromaöl-Deklaration kommuniziert.

Bei uns findest du den Hinweis klar auf der Flasche, in der Produktbeschreibung und in unseren Texten. Wir tun nicht so, als wäre die rechtliche Lage anders, als sie ist. Gleichzeitig produzieren wir das Öl mit derselben Sorgfalt, mit der wir es auch produzieren würden, wenn es als Lebensmittel zugelassen wäre. Hygiene, Qualität, Analytik, Rohstoff-Prüfung: alles auf dem Niveau, das ich beschreibe, wenn ich über meine Werkstatt schreibe.

Wir nehmen die Aromaöl-Deklaration also ernst, ohne aus ihr ein Schutzschild gegen Qualitätsanforderungen zu machen.

Was es in der Branche auch gibt, sind schwarze Schafe. Hersteller, die ihr CBD-Öl als Lebensmittel verkaufen, obwohl das rechtlich nicht zulässig ist. Hersteller, die direkte Heilversprechen abgeben. Hersteller, die mit Wirkungs-Werbung arbeiten, die ihnen rechtlich gar nicht erlaubt ist. Ich sage es immer so: ein seriöser Hersteller kommuniziert transparent, ein unseriöser kommuniziert das, was sich gerade verkauft. Wie du das im Einzelfall erkennst, habe ich in einem eigenen Artikel zu den Merkmalen eines guten Herstellers zusammengefasst.

Was du als Kunde mitnehmen solltest

Drei Dinge zum Schluss, die mir wichtig sind:

Erstens: Die Aromaöl-Deklaration ist eine Folge der rechtlichen Lage in der EU, nicht ein Hinweis auf schlechte oder gefährliche Produkte. Wenn ein Hersteller diese Deklaration ehrlich auf seine Flaschen schreibt, macht er seine Hausaufgaben.

Zweitens: Was du persönlich mit dem Öl machst, liegt in deiner Hand und in der Hand deines Arztes oder Apothekers, wenn deine Situation komplex ist. Wir können dich beraten, was unsere Produkte angeht, aber medizinische Einschätzungen können und wollen wir dir nicht geben.

Drittens: Wenn du dauerhaft Medikamente nimmst oder eine chronische Erkrankung hast, sprich bitte mit einem Arzt oder Apotheker, bevor du anfängst. Das gilt für jedes Mittel, das eine Wirkung auf deinen Körper hat, und CBD ist da keine Ausnahme.

Wenn du Fragen hast, schreib mir. Dein Thomas.

  1. World Health Organization (2018). Cannabidiol (CBD) Critical Review Report. Expert Committee on Drug Dependence, 40th Meeting, Geneva. cdn.who.int/whocbdreportmay2018
  2. European Commission. EU Novel Food Catalogue, Eintrag zu Cannabidiol. food.ec.europa.eu/novel-food-catalogue
  3. Wirtschaftskammer Niederösterreich. Inverkehrbringen von CBD-Produkten. wko.at/noe/inverkehrbringen-cbd
  4. European Food Safety Authority (2026). Cannabidiol (CBD): EFSA publishes its scientific opinion on novel food uses. efsa.europa.eu/cbd-novel-food
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